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Eine Krankenkasse mit echtem Interesse an Innovation im deutschen Gesundheitswesen. Mein Interview mit der Techniker Krankenkasse. - Gesundheit Innovativ
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Eine Krankenkasse mit echtem Interesse an Innovation im deutschen Gesundheitswesen. Mein Interview mit der Techniker Krankenkasse.

Dein Blog für Innovation im Gesundheitswesen

Mein Interview mit der Techniker Krankenkasse:

Um für dich die bestmöglichen Informationen zum Thema Start-ups und Krankenkassen zu sammeln, habe ich diejenigen gefragt, die tagtäglich damit zu tun haben. Bei der Techniker Krankenkasse in Hamburg gibt es im Bereich Versorgungsmanagement eine eigene Abteilung genau dafür. Vielen Dank an Dr. Susanne Klein und Dennis Cole, die mir als Ansprechpartner zur Verfügung gestanden haben. Nachfolgend findest du wertvolle Informationen für alle aus dem Bereich Startup und Innovation im Gesundheitswesen.


Allgemeine Fragen und Antworten zu Innovationen in der GKV


Frage: Wie würden sie die aktuelle Situation und die Chancen einschätzen, ein Start-up im Gesundheitswesen zu gründen? In welchen Bereichen sehen sie aktuell das größte Potenzial?

Antwort: Durch die Digitalisierung boten sich in den vergangenen Jahren immer mehr neue Versorgungsansätze und -möglichkeiten. In der ersten Innovationswelle wurden von den Innovatoren analoge Prozesse vielfach einfach digitalisiert (z.B. Diabetestagebuch). Inzwischen befinden wir uns in der zweiten Phase wo auch ganz neue Versorgungsansätze durch neue, digitale Innovationen entstehen (z.B. Virtual-Reality-Einsatz in der Psychotherapie).

Wir glauben, dass die größten Chancen für wirkliche Systeminnovationen in der dritten Welle liegen, wenn beides miteinander zu ganz neuen Versorgungsprozessen verbunden wird. Hier gibt es bereits erste Ansätze. Beispielsweise sorgen bei unserem Präzisionsmedizin-Vertrag eine Kombination aus Gen-Sequenzierung und KI-basierte Diagnoseverfahren für ganz neue Behandlungsabläufe.

Im Gesundheitsbereich geht der Trend klar hin zu universitären Start-up-Ausgründungen, die aus einem medizinischen Bedarf heraus ein Produkt entwickeln und weg von Start-up-Businessmodellen, die versuchen in die medizinische Versorgung zu gelangen. Aber beides ist nach wie vor möglich und bietet auf Jahre hinaus Potential für eine bessere Versorgung.


Krankenkassenspezifische Fragen:

Frage: Gibt es bei der TK strukturierte Unterstützungsangebote, um Start-ups auf dem Weg von der Idee zur Umsetzung zu begleiten (außer den Health-i Award) und wie sehen diese genau aus? Können Sie ein paar Beispiele von Start-ups nennen, die mit der Förderung der TK ein etabliertes Unternehmen im Gesundheitswesen aufbauen konnten?

Antwort: Die TK engagiert sich im Rahmen der gesetzlichen Rahmenbedingungen für neue Versorgungsinnovationen. Dabei arbeiten wir neben dem angesprochenen Health-i-Award mit dem Handelsblatt, mit vielen Partnern zusammen. Unter anderem gibt es eine Kooperation der TK mit Philips, der Stadt Hamburg und weiteren Partnern, bei der ein Innovations-Center mit Co-Working-Spaces für Start-ups aufgebaut wurde. In diesem Health Innovation Port (HIP) arbeiten seit zwei Jahren diverse Start-ups aus dem Gesundheitsbereich in Hamburg.

Als Kooperationspartner und Mentor unterstützt die TK mit dem Förderprogramm „BlueBeyond“ innovative Unternehmen bei der Umsetzung ihrer Ideen für das Gesundheitswesen. Im Fokus stehen vor allem digitale Versorgungsprodukte. Kern von BlueBeyond ist die Weitergabe von Know-How zur besseren  Orientierung im  deutschen Gesundheitssystem. Da wir als Unternehmen des öffentlichen Rechts nicht in den freien Markt eingreifen dürfen, versuchen wir, Innovatoren wie Start-ups bei der Überwindung von Hürden zu helfen. Aktuell betreut die TK im Programm zwei konkret Projekte. Die Sprachtherapie-App für Kinder von Neolexon und die Prothesen- und Orthesenherstellung via 3D-Druck durch das Start-up Mecuris.

Auch unsere TK-Landesvertretungen sind sehr aktiv in der Kooperation mit diversen Start-up-Events, Acceleratoren, Incubatoren oder einfach Entwicklungskooperationen unterwegs.

Ich würde Start-ups immer empfehlen zuerst im eigenen Bundesland zu unseren Fachleuten vor Ort den Kontakt zu suchen. 

Es gibt aber bei der TK für Start-ups und Innovatoren auch zwei direkte Unterstützungsmöglichkeiten. Erstens die schnelle, systematische Beurteilung von konkreten Produkten und Ideen in unserer TK-Innovationsdatenbank und zweitens, durch eine gezielte persönliche Beratung bei besonders vielversprechenden Innovationen für den ersten Gesundheitsmarkt durch unsere Marktexperten für Entwicklungen im Versorgungsmanagement. Das ist mein Team. Von diesen beiden Möglichkeiten haben in den vergangenen Jahren bereits diverse Start-ups und Innovatoren profitiert. Auf dem weiteren Weg, hin zu einem Geschäftsmodell und schließlich zu einem profitablen Unternehmen, ist es aber ein weiter Weg für die Start-ups, den sie allein gehen müssen.

Frage: Welche Schritte müssen durchlaufen werden, wenn ein Start-up mit einem Produkt in die Regelversorgung aufgenommen werden will und wie unterstützt die TK an dieser Stelle?

Antwort: Im Grunde sind für digitale Innovationen wie Apps die gleichen Schritte notwendig wie auch für alle anderen Medizinprodukte. Da wo für Medizinprodukte mit hoher Risikoklassifizierung in den Medien zurzeit zu Recht höhere Zulassungsregulierungen gefordert werden, ist es das Dilemma der Produkte mit geringem Risiko aber hohem Versichertennutzen in der gleichen Prozedur zu stecken. Als erstes muss der funktionstaugliche Prototyp eine europäische CE-Zertifizierung bei einer sogenannten „benannten Stelle“ erhalten. Diese kann je nach Testverfahren sehr viel Geld kosten. Dann kommt eine klinische Nutzennachweisstudie. Diese soll zeigen, dass es eine Verbesserung zur aktuellen Therapie, Diagnose etc. gibt und diese auch für die Patienten sicher ist. Auch das ist nicht billig und kann Jahre dauern. Anschließend kommt dann der schwierigste Teil. Das fertige Produkt muss durch die Zulassungsinstanzen des Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA). Hier werden alle Zulassungsbedingungen geprüft und die praktischen Fragen der Einführung geklärt. Für die angestrebte Aufnahme in die Regelversorgung müssen viele Dinge einvernehmlich zwischen den Marktteilnehmern geklärt werden. Zum Beispiel die Frage, braucht es das Produkt überhaupt als Ergänzung oder Ersatz für eine bestehende Behandlung und was darf die ersetzende oder bessere Leistung die GKV kosten. Alle Beteiligten, also auch die TK, sitzen dabei mit ihren jeweils verschiedenen Perspektiven am Verhandlungstisch. Dieser finale Prozess kann in Einzelfällen – beispielsweise bei sehr hohen Kosten für die GKV oder unklaren Rechtsfragen – Jahre dauern.

Frage: Welche alternativen Wege zur Förderung von Start-ups abseits der Regelversorgung bietet die TK an? (z.B. Selektivverträge?)

Antwort: Grundsätzlich darf die TK nur gesetzlich bereits festgelegte Leistungen (nach SGB V) erstatten. Es gibt aber gesetzlich erlaubte Ausnahmen von dieser sogenannten Regelversorgung. Hierzu gehören unter anderem Selektivverträge nach §140a SGB V, aber auch andere Vertragsformen wie sogenannte Modellvorhaben sind grundsätzlich möglich. Diese Modelle wurden vom Gesetzgeber für die GKV tatsächlich auch vorgesehen, um innovative Versorgung in einer Art Testumgebung finanzieren zu dürfen. Sie sollen auch dazu beitragen, den GKV-Wettbewerb um bessere Leistungen für die Versicherte zu fördern. Voraussetzung ist dabei jedoch immer, dass ein Leistungserbringer (beispielsweise ein Arzt, Krankenhaus oder Sanitätshaus) mit von der Partie ist. Wir können für Innovationen zusammen mit den Leistungserbringern in einem sehr begrenzten selektiven Vertrag, für einen begrenzten Zeitraum, in einer (meistens) begrenzten Region mit einem begrenzten Budget und immer nur bei einer wissenschaftlichen Begleitung des Projekts solche Verträge aushandeln. Solche Verträge eignen sich jedoch nur sehr selten für digitale Innovationen, die nicht direkt in einem medizinisch notwendigen Kontext eingesetzt werden sollen. Sie sind nicht für reine Apps geeignet, die unseren Versicherten einfach nur das Leben einfacher machen sollen. Außerdem muss jedem Start-up klar sein, dass ein Selektivvertrag in der Regel keinen ausreichenden „Return of Investment“ bringt. Ein solcher Vertrag ist jedoch ein sehr guter Weg, um als seriöser medizinisch relevanter Anbieter wahrgenommen zu werden und die eigene Produktqualität zu belegen.

Frage: Welche Rolle spielen private Investoren in Kooperation mit der TK oder bei der Förderung von Start-ups im Gesundheitswesen insgesamt?

Antwort: Insgesamt eine riesige Rolle. Sie beeinflussen ja das Geschäftsmodell der Start-ups wie kein anderer Partner. Das kann in Bezug auf einen möglichst kurzfristigen Break-Even für die Geschäftsführer der Start-ups sehr gut sein. Aber für oftmals langfristige Entwicklungszyklen für Medizinprodukte oder medizinisch notwendige Studien können sie auch zu falschen Erwartungen und Entscheidungen führen und die Start-ups unter Druck setzen. Da gibt es auch noch Luft nach oben in Deutschland – sowohl was die Risikokapitalgeber-Erwartungen als auch was die Finanzierungsmöglichkeiten für medizinisch-technische und GKV-relevante Start-ups angeht. Wichtig ist: wir als TK dürfen kein Geld direkt an Start-ups zahlen. Wir dürfen nur Leistungen der GKV bezahlen. Und das passiert immer nur im Rahmen von entsprechenden Versorgungsverträgen. Wo wir direkt helfen können und das auch gern tun, ist bei Kontakten zu öffentlichen Partnern oder zu unseren Netzwerken und natürlich beim notwendigen Wissen für den Weg in die Versorgung auf dem ersten Gesundheitsmarkt. Den meisten Start-ups mit wirklich guten Konzepten gelingt aus unserer Sicht auch die Finanzierung gut. Da glaube ich setzt sich Qualität wie überall letztlich immer durch. Es braucht nur einen etwas längeren Atem.

Frage: Wer sind die richtigen Ansprechpartner und wann ist der richtige Zeitpunkt, um Kontakt aufzunehmen?

Antwort: Der richtige Zeitpunkt ist, wenn ein Innovator (Start-up) seine Hausaufgaben alle gemacht hat. Das heißt: wer sich an die TK wendet, sollte einen vernünftigen Businessplan, mindestens einen Prototypen oder ein realistisches Modell und möglichst auch schon eine CE-Zertifizierung als Medizinprodukt und eine vernünftige Studienlage zur Wirksamkeit des neuen Produkts haben. Noch besser wären natürlich eigene klinische Studienergebnisse. Dann kann man sich bei der TK melden. Wir arbeiten auch gerade an einer extern zugänglichen Innovationsplattform. Wenn dieser neue webbasierte Zugang freigeschaltet ist, können Start-ups direkt Ihre Produktdaten oder Pitch-Decks in unsere TK-Bewertungsdatenbank eingeben und erhalten innerhalb von vier Wochen ein Feedback durch unsere Experten. Ich glaube da schaffen wir als TK gerade ein sehr gutes Angebot, das einmalig ist in Deutschland. Zurzeit läuft das System schon, aber noch müssen alle Daten über ein PDF-Formular, das man bei uns anfordern kann, händisch eingegeben werden.

Man darf sich aber auch als Start-up nicht grämen, wenn es mal nicht klappt. Wir können einfach nicht alle guten Ideen als TK verfolgen. Und manchmal klappte es auch erst beim zweiten oder dritten Produktanlauf. Das sehe ich auch als großen Vorteil der Start-up-Szene, dass diese so agil und schnell auf neue Marktsituationen umstellen kann. F

Frage: An welchen Stellen gibt es noch Optimierungspotenzial, um kreativen Ideen im Gesundheitswesen eine noch größere Chance zu ermöglichen?

Antwort: Neben den oben genannten Themen fällt mir der Einfluss der Politik noch ein. Hier versucht die TK bereits seit Jahren auf das Potential der Start-up-Szene für die deutsche Gesundheitsszene aufmerksam zu machen. Es gibt viele Hürden für Start-ups, bei denen man mit nur wenig Einsatz, sehr viel unterstützen und bewegen kann. Wir als Innovationsabteilung der größten deutschen Kasse würden da gern noch mehr machen. Wir agieren aber nun mal in einem politisch und gesetzgeberisch beschränkten Rahmen. Es kann schon frustrierend sein, ein Start-up zu begleiten, das ein medizinisch wirklich relevantes Verfahren entwickelt hat, aber wegen einer aus Systemsicht banalen Eigenfinanzierungsfrage scheitert.

Gerade bei gesetzlich geforderten Studien sollte es aus meiner Sicht eine einfachere staatliche Finanzierungsmöglichkeit für die Start-ups geben. Das würde im Übrigen ja auch den Universitäten helfen. Wir als GKV dürfen hier leider keine Studien finanzieren.

Hier wünschen sich viele Start-ups, mit denen wir zu tun haben, sicherlich noch mehr direkte und praktische Unterstützung vom Staat. Um positiv zu enden: Ich denke als unverbesserliche Optimistin, dass sich schon viel in der Politik getan hat. Deutschland ist meiner Ansicht nach im weltweiten Vergleich auf einem guten Weg.


Vielen Dank für das Interview

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