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Vereinbarungen der Konzertierten Aktion Pflege – was steht drin zur Digitalisierung?

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Machen die KAP Vereinbarungen die Digitalisierung der Pflege einfacher?

Die Konzertierte Aktion Pflege ist wohl der wichtigste Zusammenschluss für die Zukunft der Pflege, der aktuell existiert. Federführend sind die drei Ministerien Gesundheit, Familie und Arbeit mit den jeweiligen Ministern bzw. der Ministerin. Außerdem sind über 40 weitere Partner an Bord, um die Zukunft der Pflege mitzugestalten. Dafür wurden insgesamt fünf Arbeitsgruppen gebildet, eine davon für den Bereich Digitalisierung. Im Juni 2019 wurde das erste wichtige Dokument zu den Vereinbarungen der Arbeitsgruppen veröffentlicht. Insgesamt umfasst das Dokument über 180 Seiten.  Ich habe für dich die wichtigsten Inhalte zum Thema Digitalisierung und Pflege zusammengefasst.

Eines der Hauptziele ist es, die Arbeitsverdichtung in der Pflege durch neue Technologien zu verringern, um mehr Zeit für personennahe Tätigkeiten zu haben. Die ambulante und stationäre Pflege sollen beispielsweise für eine einfache und sichere Übertragung von Daten in die Telematikinfrastruktur eingebunden werden. Auch für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige sind einige Maßnahmen geplant. Im Folgenden findest du die neun wichtigsten Umsetzungsbereiche:

 

  1. Papierlose elektronische Abrechnungsverfahren für ambulante Pflegedienste sollen geschaffen werden (dadurch könnten laut Rechnung 523.000 Arbeitsstunden pro Jahr gespart werden).
    1. Leistungen sollen ab dem 01. Oktober 2022 nur noch elektronisch mit den Pflegekassen abgerechnet werden
    2. Krankenkassenleistungen sollen ab dem 01 April 2023 nur noch elektronisch mit den Krankenkassen abgerechnet werden

 

  1. Elektronische Verordnungsverfahren für eine bessere Zusammenarbeit von Ärztinnen und Ärzten und Pflegekräften soll ermöglicht werden. Dies soll unnötige Wegstrecken verhindern, so dass sich die Pflege auf ihre Kernaufgaben konzentrieren kann.
    1. Hierfür sollen „innovative Projekte“ gefördert werden. Die Krankenkassen sollen dazu Projekte zu E-Rezepten und E-Verordnungen auflegen
    2. Bis zum 30 Juni 2020 soll die gematik die technischen Voraussetzungen für E-Verordnungen bei apothekenpflichtigen Medikamenten schaffen

 

  1. Elektronische Dokumentation für Pflegende soll der zukünftige Standard werden.
    1. Insbesondere Spracherkennung, Sprachsteuerung und automatisierte Datenübertragungen durch Sensoren werden als besonders förderungswürdig angesehen
    2. Die Aufbewahrungspflichten für Dokumentation in der ambulanten Pflege soll angepasst werden, so dass dies die elektronische Dokumentation erleichtert
    3. Wichtiges Ziel zur Digitalisierung der Dokumentation ist, dass ambulante und stationäre Pflegedienste die verfügbaren Mittel gemäß § 8 Abs. 8 SGB XI bis Ende 2021vollständig abrufen
    4. Die DKG soll Good-Practice Modelle ermitteln, bekanntmachen und fördern
    5. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege soll die „bewährte Methode“ der Stiftung Warentest zur Bewertung digitaler Pflegedokumentationssoftware verstetigen
    6. Eine gemeinsame Pflegedokumentation von ambulanten Pflegediensten und Tagespflegeeinrichtungen soll durch die Telematikinfrastruktur möglich werden

 

  1. Vernetzte Touren- und Dienstplanungen für ambulante Pflegedienste sollen Arbeitsabläufe verbessern.
    1. Der Verbreitungsgrad und die Akzeptanz von Touren- und Dienstplanungssoftware soll bis 2021 stark erhöht werden
    2. Dazu sollen die Förderungsmöglichkeiten gemäß § 8 Abs. 8 SGB XI genutzt werden
    3. Es soll aktiv Werbung für eine höhere Akzeptanz betrieben werden
    4. Pflegedienstübergreifende Maßnahmen kann übergreifende Zusammenarbeit erhöhen

 

  1. Telepflege und Telemedizin soll räumliche Distanzen überwinden.
    1. Neue Aufgaben- und Fachgebiete für Pflegepersonen entstehen durch diese neue Technologie
    2. Eine Studie zur Identifizierung von Good-Practice-Lösungen und Handlungsfeldern für Telepflege und Telemedizin wird in Auftrag gegeben
    3. Telepflege und Telemedizin soll insbesondere in dünn besiedelten Gebieten gefördert werden
    4. Die Verbände der Pflegeeinrichtungen sollen bei ihren Mitgliedern für die Fördermöglichkeiten nach § 8 Abs. 8 SGB XI werben
    5. Stationäre Pflegeeinrichtungen können nach §119b Abs. 1 SGB V Musterkooperationsverträge mit Ärztinnen und Ärzten für Sprechstunden und Fallkonferenzen schließen
    6. Der Krankenhausstrukturfonds soll insbesondere zur Förderung von telemedizinischen Netzwerken genutzt werden (vor allem zur Bildung von Netzwerkstrukturen zwischen Maximalversorgern und Grund-/Regelversorgern)

 

  1. Technische und digitale Unterstützungssysteme für Pflegekräfte in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sollen gefördert werden (u.a. Robotik, Sensorik)
    1. Hohe Produktvielfalt und fehlende Belege für einen Nutzen werden kritisch gesehen
    2. Mehr Transparenz bezüglich der Möglichkeiten (am Markt befindlicher Produkte) und des Nutzens soll geschaffen werden
    3. Eine Möglichkeit zur neutralen Darstellung eines Produktüberblicks über den Markt wird vom BMG geprüft
    4. Vier INQA (Initiative neue Qualität der Arbeit) Experimentier- und Lernräume werden für die Pflege aktuell gefördert, um Lösungen für offene Fragen zur Gestaltung des Alltags in der Zukunft der Pflege zu finden. Diese INQA Lernräume sollen eine Möglichkeit schaffen innovative Ansätze zu erproben, Innovation zu fördern und gute Arbeitsbedingungen zu stärken

 

  1. Technische und digitale Unterstützungssysteme für Pflegebedürftige zur Unterstützung der Selbstständigkeit im häuslichen Umfeld sollen geschaffen werden
    1. Der GKV-Spitzenverband richtet im Rahmen des Modellprogramms „Weiterentwicklung der Pflegeversicherung“ einen neuen Themen- und Förderungsschwerpunkt „Digitalisierung in der Pflege“ ein
    2. Der GKV-Spitzenverband prüft die Nutzenkriterien im Sinne von §40 SGB XI
    3. Die am Markt vorhandenen Produkte sollen dadurch besser bewertbar werden
    4. Die Vorschriften im Hilfs- und Pflegehilfsmittelverzeichnis und die leistungsrechtlichen Vorschriften zu den Wohnumfeld „verbessernden“ Maßnahmen im Sinne des SGB XI sollen angepasst werden
    5. Das Antragsverfahren auf Aufnahme als Hilfs- und Pflegehilfsmittel soll mittels Online-Portal erleichtert werden
    6. Das BMG prüft Maßnahmen, um den Besonderheiten von digitalen technischen Hilfsmitteln gerecht zu werden
    7. Die Verbände der Pflegeeinrichtungen und der GKV-Spitzenverband sollen dafür Sorge tragen, dass Pflegebedürftige eine Beratung zum Einsatz neuer Technologien erhalten
    8. Der Innovationsausschuss soll Projekte zur Unterstützung Pflegebedürftiger mit technischer Assistenz fördern

 

  1. Zukunftstechnologien sollen für die Pflege nutzbar gemacht werden
    1. Big Data, KI, AR/VR, Robotik oder Blockchain werden unter anderem als Zukunftstechnologien genannt
    2. Der GKV-Spitzenverband fördert im Rahmen des neuen Schwerpunkts „Digitalisierung in der Pflege“ Studien und Projekte mit Innovationspotenzial für Zukunftstechnologien
    3. Das BMBF bereitet aktuell die „Nationale Strategie Künstliche Intelligenz“ (KI-Strategie) vor in der es einen Förderschwerpunkt „KI in der Pflege“ geben wird. Bekanntmachung Ende 2019
    4. Im Rahmen der Förderung der INQA Experimentierräume (experimentierräume.de) werden aktuell 4 Pflegeprojekte gefördert (unter anderem zur Robotik mittels Exoskelette. Die Ergebnisse können in kontinuierlich verfolgt werden

 

  1. Beteiligte aus der Pflege mit einbeziehen und mitnehmen (Pflegebedürftige, informell oder formell Pflegende sollen frühzeitig in die Entwicklung neuer Technologien einbezogen werden)
    1. Akzeptanz und Kompetenz im Umgang mit neuen Technologien soll bei beruflich Pflegenden, Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen erhöht werden
    2. Die Pflegekammern sollen Qualifizierungsmaßnahmen für beruflich Pflegende zum Umgang mit neuen Technologien entwickeln
    3. Der Datenschutz personenbezogener Daten bleibt weiterhin ein wesentliches Thema
    4. Vom Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz wurde eine Datenethikkommission eingesetzt, die bis Herbst 2019 einen Entwicklungsrahmen zum Umgang mit Algorithmen, KI und digitalen Innovationen vorschlagen soll. Diese Ergebnisse werden von der Bundesregierung bei der Weiterentwicklung der nationalen KI-Strategie verwendet
    5. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat die 8. Altersberichtskommission zum Thema „Ältere Menschen und Digitalisierung“ eingesetzt, um den Nutzen und Mehrwert von Technologien aus der Sicht älterer Menschen zu prüfen. Der Bericht wird bis Ende 2019 fertiggestellt sein
    6. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V. hilft mit Senioren-Technik-Botschafter älteren Menschen beim Umgang mit neuen Technologien

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